Frederick Matthias Alexander (1869-1955)

 
F.M. Alexander wurde in einer ländlichen Gegend an der Nordwestküste Tasmaniens geboren und wuchs dort auch auf. Seine Schulbildung verlief ungewöhnlich, da er, obwohl klug und lernwillig, kein einfacher Schüler war. Er störte den Unterricht, denn er fragte seinen Lehrer andauernd: „Woher wissen Sie das?“ Glücklicherweise erkannte der Lehrer Alexander’s Intelligenz und erklärte sich bereit, den Jungen privat zu unterrichten.
 
Alexander verliess mit sechzehn die Schule und hatte in verschiedenen Berufen Erfolg. Sein Hauptinteresse galt allerdings der Schauspielerei. Mit zwanzig zog er nach Melbourne und nahm Schauspielunterricht. Doch die folgendschwere Tendenz, während dem Spielen die Stimme zu verlieren, behinderte seine Anstrengungen ein erfolgreicher Schauspieler zu werden. Nachdem ihm die Ärzte nicht hatten helfen können, beschloss er selbst herauszufinden, was seine Schwierigkeiten beim Rezitieren verursachte. Durch die sorgfältige Beobachtung der Art wie er zum Sprechen ansetzte, entdeckte er, dass er seinen Körper auf schädliche Weise anspannte und so sein Sprechen behinderte. Nachdem er entdeckt hatte, wie er diese grundlegende Verspannungstendenz verhindern konnte, wurde dies für ihn zum Hauptthema, das er später „bewusstes Vermeiden“ nannte. Durch das neue Dirigieren seiner Gedanken und seines Reagierens auf den Sprechstimulus konnte er schliesslich die Verspannungstendenz, die immer wieder zu einem Stimmverlust geführt hatte, überwinden. Nach seiner erfolgreichen Rückkehr auf die Bühne dauerte es nicht lange, bis Sänger und Schauspieler (und Geistliche!) auf ihn zukamen und ihn auf Grund seiner Erkenntnisse um Hilfe beim Ändern bzw. Auflösen ihrer Körperverspannungen, Haltungsgewohnheiten und Stimmprobleme baten.
 
F.M.Alexander: Film of FM
Alexander entwickelte seine Technik während seines ganzen Lebens stetig weiter. Durch das Weitergeben seines Wissens konnte er anderen mit viel Erfolg helfen, ihre eigene Wahrnehmung und die Reaktionen neu steuern zu lernen, so dass sie eine Vielzahl an Skelettmuskel- und psychischen Schwierigkeiten überwinden konnten. So war es denen, die diese Technik erlernt hatten, möglich, Rücken- und Nackenschmerzen, Kopfschmerzen, Atmungsbeschwerden und allerlei hinderliche Beschwerden zu lindern.
Er wanderte 1904 nach Grossbritannien aus und lebte, abgesehen von einigen längeren Aufenthalten in den USA, den Rest seines Lebens in London.
 
Viele Ärzte und andere, medizinisch tätige Leute waren von Alexander begeistert. Sie stellten fest, dass eine Serie Lektionen bei Alexander einen kranken, „leblosen“ Patienten mit starken Schmerzen in einen gesunden, Schmerz befreiten, Energie geladenen Menschen verwandeln konnten. Diese Ärzte nahmen selbst Stunden und versuchten bei verschiedenen Gelegenheiten, Alexander’s Technik zu einem Bestandteil des Medizinstudiums zu machen. Leider wurden diese Versuche immer wieder (wie 1937 der Brief von 19 Ärzten an das B.M.A.) durch überraschende nationale Ereignisse, die das Interesse für die Technik in den Hintergrund rückten, vereitelt.
 
In der Welt der darstellenden Künste war Alexander mehr Erfolg beschieden. Viele berühmte Schauspieler, Autoren und Musiker liessen sich unterrichten... Henry Irving, George Bernard Shaw und Virginia Woolf sind nur drei von vielen berühmten Schülern und Schülerinnen jener Zeit.

Dieser Trend setzt sich bis heute fort mit Paul McCartney, Lulu, Sting, Paul Newman, Mary Steenbergen, Kenneth Branagh, John Cleese, Jeremy Irons, Terence Stamp und einer Schar anderer weltbekannter DarstellerInnen, die alle von der Technik profitieren. In Grossbritannien ist die Alexander-Technik mittlerweile bei allen Musikschulen etablierter Bestandteil und wird in den besten Schauspielschulen unterrichtet. Sowohl die Royal Shakespeare Company als auch das Globe Theatre verfügen über ihren eigenen Alexander-Lehrer. Eine ähnliche Entwicklung lässt sich auch in den USA und in Australien beobachten.Ausserdem hat die Technik in der philosophischen und der wissenschaftlichen Welt ihre Unterstützung gefunden. John Dewey, der US-amerikanische Philosoph und Pädagoge, verfasste drei Einleitungen für Alexander’s Bücher; der britische Schriftsteller Aldous Huxley war ein Langzeitschüler,Freund und „Missionar“ für die Technik; William Temple, Erzbischof von Canterbury, wurde von Alexander unterrichtet; Professor Raymond Dart, Anatom, Anthropologe und Entdecker des „fehlenden Bindeglieds“ (the missing link), schrieb Artikel, um seine Kollegen und Zeitgenossen zu ermuntern Lektionen zu nehmen; Professor Nikolaas Tinbergen, 1973 Nobelpreisträger für Physiologie und Medizin, lobte während seiner Oration die Wirksamkeit der Alexander-Technik ausführlich und in den höchsten Tönen. Sir Charles Sherrington, „der Vater der Neurologie“, traf Alexander und schrieb begeistert über dessen bahnbrechende Entdeckungen.

Auch bei Unternehmen fand Alexander Unterstützung. Joseph Rowntree, J.B. Duke und andere “Industriekapitäne” in Grossbritannien, den USA und Südafrika waren weitere Anhänger. In letzter Zeit wurde die Technik in vielen Unternehmen rund um den Globus vorgestellt. Sie wird den Mitarbeitern/-innen als Hilfsmittel für eine gute Gesundheit und als Prävention gegen typische Beschwerden, vom Bandscheibenvorfällen bis zu Repetition Strain Injuries, Rückenschmerzen sowie allgemeinem Stress und Anspannung, beigebracht. Alexander eröffnete 1930 eine Schule, um LehrerInnen auszubilden. Mittlerweile gibt es auf allen Kontinenten Alexander-Technik-Schulen und weltweit ungefähr 2500 LehrerInnen. Alexander beschrieb seine Entdeckungen in vier Büchern. Diese sind nach wie vor erhältlich, und erscheinen neue Bücher, die sich mit der Anwendung der Alexander-Technik beschäftigen – die britische „Art of...“-Serie beinhaltet zum Beispiel die Technik in den Publikationen „Art of Swimming“ (Die Kunst des Schwimmens) oder „Art of Running“ (Die Kunst des Laufens); dann gibt es entsprechende Bücher über Schwangerschaft und Geburt sowie solche, über Alexander-Technik für MusikerInnen* –, was einen hervorragenden Einblick für alle bietet, die sich für diese aussergewöhnliche Methode interessieren und wissen möchten, worum es im Genauen geht. Wo immer Alexander-LehrerInnen tätig werden, wird in Zeitschriften-und Zeitungsartikeln über ihre Arbeit geschrieben. Da es sich bei der Technik eher um eine Eins-zu-eins- als um eine Gruppenerfahrung handelt,braucht es mehr Zeit sie bekannt zu machen.

Die (mittlerweile weltweite) Alexander-LehrerInnen-Gemeinde veranstaltet in etwa alle vier Jahre einen internationalen Kongress. Im August 2004 fand einer in Oxford, England, statt. Es kamen über 700 Delegierte aus der ganzen Welt, um Neurologie-Experten und andere Wissenschaftler, die F.M.Alexander’s Arbeit befürworten und unterstützen, zu treffen. Im Jahr 2015 wurde der Kongress in Limerick, Irland statt. Der nächste internationale Kongress wird im August 2018 in Chicago, USA.

* The Alexander Technique for Musicians (Alexander-Technik für Musiker) – Pedro de Alcantara

© Robin John Simmons 2017